Welches ist der schnellste Weg zum wirtschaftlichen Erfolg? Ausländische Direktinvestitionen, meint man in China, und die meisten Wirtschaftsexperten stimmen zu. Aber ein Vergleich mit dem langjährigen Stiefkind der Weltwirtschaft, Indien, legt nahe, dass es nicht der einzige Weg zum Wohlstand sein muß.
Verbesserungen vor Ort schaffen- eine indische Geschichte.
Wenn man einen x-beliebigen Supermarkt betritt wird man wohl nicht mehr über den Anteil der chinesischen Produkte überrascht sein, unter dessen Last die Regale schier zusammenbrechen zu scheinen: Alles von Schuhen , Kleidern, Spielzeugen bis hin zu Elektronik. Aber das allgegenwärtige Made in China Label verschleiert einen wichtigen Punkt: Wenige dieser Produkte wurden von richtigen chinesischen Firmen hergestellt. Man hätte sogar Schwierigkeiten, eine einzige originär chinesische Firma zu finden, die weltweit operiert oder sogar ein Global Player ist und die eigenen Produkte weltweit in eigenem Namen vermarktet.
Das kommt daher, dass Chinas Aufschwung bei der Herstellung von Waren aller Art weitgehend auf ausländischen Direktinvestitionen (FDI) beruht. Diese dienen als Ersatz für chinesische ortsansässige Unternehmer. Während der letzten 20 Jahre erlebte Chinas Wirtschaft einen Aufschwung, dem nur wenige lokale Firmen folgen konnten. Dies hat zur Folge, dass die Privatwirtschaft des Landes keine Unternehmen aufweist, die wirklich mit den ausländischen Multis konkurrieren könnten.
Indien hat bei weitem nicht die Mengen an FDI herbeigezogen wie China.. Diese Kluft spiegelt das Vertrauen der Internationalen Investoren in die chinesische Wirtschaftaussichten wider, ebenso die Skepsis über die Entschlossenheit der geplanten Reformen Indiens hin zur freien Marktwirtschaft. Aber die Kluft der beiden FDI-Zahlen ist auch die Geschichte zweier Diasporas. China hat eine reiche und wohlhabende Diaspora, die immer dem Mutterland helfen wollte und deren Geld immer willkommen geheißen wurde. Der indischen hingegen wurde, zumindest bis vor kurzem, ihr Erfolg vorgeworfen und sie war deshalb weniger bereit im Mutterland zu investieren. Neu Delhi schaute die ins Ausland gegangenen Inder schief an, ebenso FDI insgesamt. Aber es schuf eine positivere Umgebung und ein besseres Klima für die Unternehmer vor Ort.
In diesem Prozess brachte Indien einige Unternehmen hervor, die durchaus mit der Creme de la Creme der internationalen Unternehmen mithalten können.
Hinzu kommt, dass diese Firmen in den zukunftsträchtigsten und am meisten auf Wissen basierenden Bereichen operieren, die Softwaregiganten Infosys und Wipro sowie die Biotechfirmen Ranbaxy und Dr. Reddys Labs, um nur einige zu nennen. Letztes Jahr waren unter den Forbes 200, der Liste der "Best Performers" bei kleinen Firmen 13 indische aber nur vier chinesische zu finden.
Indien baute auch eine bessere Infrastruktur auf, was die Unterstützung von Privatunternehmen angeht. Die Kapitalmärkte funktionieren mit größerer Effektivität und Transparenz als die chinesischen Wertpapiermärkte, auch das Rechtssystem ist, wenngleich nicht fehlerlos, so doch viel weiter fortgeschritten.
Man sagt, China und Indien seien die kommenden Großmächte. Sie offerieren auch zwei gegensätzliche Entwicklungsstrategien. Es war lange Zeit ein Glaubenssatz, dass China im schnelleren Zug fährt, und die wirtschaftlichen Daten scheinen das zu bestätigen. Das "Hindu-Wirtschaftswachstum"- ein verächtlicher Ausdruck, der Indiens Unfähigkeit umschreiben sollte, das Wirtschaftswachstum dem Bevölkerungswachstum anzugleichen, scheint allmählich der Vergangenheit anzugehören. Wenn man die Zahlen des BSP betrachtet, scheint Indien immer noch nicht mit China mithalten zu können.
Allerdings erzählt uns die Statistik nur einen Teil der makroökonomischen Geschichte.
Auf der "Mikro"-Ebene sieht die Sache anders aus. Hier zeigt Indien keinen Deut weniger wirtschaftliche Dynamik als China. Da sich Indien in Wirklichkeit vorwiegend auf organisches Wachstum stützt, nutzt Indien seine Ressourcen viel besser und hat einen Weg gewählt, der anhaltenderen Erfolg verspricht als der Weg Chinas, welches seine Entwicklung völlig von den Ausländischen Direktinvestitionen abhängig macht.
"Kann Indien China überholen?", dies ist nicht mehr länger eine lächerliche Frage, seitdem etliche herausgefunden haben, dass Indien die klügeren Entscheidungen getroffen hat. Die Implikationen für Chinas zukünftiges Wirtschaftswachstum und die wirtschaftliche Entwicklung im allgemeinen , ebenso wie Politikexperten darüber denken, können enorm sein.
Der einengende Staat
Die Tatsache, dass sich der Aufbau der Wirtschaft in Indien von unten nach oben vollzieht, während in China nach wie vor eine "von oben nach unten" Direktive verfolgt wird, reflekiert die beiden konträren politischen Systeme: Indien ist eine Demokratie, China nicht. Aber die verschiedenen Strategien sind auch eine erweiterte Funktionsbeschreibung der Geschichte:
Chinas KP kam 1949 mit der Absicht an die Macht, privaten Besitz auszulöschen, was auch schnell in die Tat umgesetzt wurde. Obwohl sich der Staat nun im dritten Jahrzehnt der marktwirtschaftlichen Reformen befindet, kämpft es nach wie vor mit dem Erbe aus dieser Zeit. Beleg hierfür ist die jüngste Kontroverse um die Frage, ob Privatunternehmer in die KP gelassen werden sollen oder nicht.
Indien brachte eine leichtere Variante des Sozialismus heraus, eine Art des milden Sozialismus, der nicht darauf abzielte, den Kapitalismus zu zerstören, sondern nur dessen soziale Verwerfungen abzumildern. Es wurde als essentiell wichtig betrachtet, dass der öffentliche Sektor das "Oberkommando über die Wirtschaft" behält, um Worte Lenins zu zitieren, die von Indiens erstem Premierminister, Jawaharlal Nehru oft zitiert wurden.
Dies hinderte aber das freie Unternehmertum nicht daran, dort aufzublühen, wo der lange Arm des Staates nicht hinkam.
Entwicklungen auf der mikroökonomischen Ebene spiegeln diese geschichtlichen und ideologischen Unterschiede wieder. Bei nach außen wirkenden Reformen war China viel kühner, aber es erlegte den einheimischen Firmen weitgehende gesetzliche und einschränkende Zwänge auf . So wurde erste vor vier Jahren den einheimischen Firmen der gleiche verfassungsmäßige Schutz zuteil, den die ausländischen Firmen schon seit 1986 genießen. Und mit Stand Ende der 90er Jahre sind laut Aussage der International Finance Corporation noch mehr als zwei Dutzend Industrien, eingeschlossen einige der wichtigsten und lukrativsten Sektoren- Bankwesen, Telekommunikation, Verkehrswesen und Eisenbahnen für Privatinvestoren tabu.
Diese Einschränkungen wurden nicht gegen ausländische Firmen errichtet, sondern gegen die einheimische Privatwirtschaft, damit diese nicht gegen die staatseigenen VEBs konkurrieren kann. Es wurden wohl einige Anstrengungen unternommen, die aufgeblähten VEBs während der letzten 20 Jahre zu reformieren, aber die Regierung ist nach wie vor nicht bereit, die Kontrolle über die wichtigsten und größten aus der Hand zu geben- z.B. China Telecom.
Im Gegenteil, die Regierung schütze sie mit Klauen und Zähnen gegen ausländische Konkurrenz. In den Neunzigern versuchten zahlreiche chinesische Unternehmer die ihnen auferlegten Restriktionen zu umgehen, und scheiterten kläglich.
Einige ließen ihre Firmen als VEB eintragen, (obwohl das Geld von Privatleuten kam und der Betrieb privatwirtschaftlich gemanagt wurde) fanden sich aber im Kampf mit finanziell angeschlagenen Regierungsbehörden wieder, die ihnen den Betrieb streitig machten und ihre Einlagen beschlagnahmen wollten.
Mehr als nur ein paar vielversprechende Unternehmen wurden auf diese Weise in den Ruin getrieben.
Diese Vorurteile gegen heimatliches Unternehmertum ist weit verbreitet und anerkannt. Ein Report der chinesischen Akademie für Gesellschaftswissenschaften kam zu dem Schluß, dass " wegen lang andauernder Vorurteile und Irrglauben Privatunternehmen einen niedrigeren politischen Status geniessen und bei vielen politischen Maßnahmen und Regularien diskriminiert werden. Das rechtliche, politische und marktpolitische Umfeld ist unfair und ohne Schlüssigkeit."
Ausländische Investoren sind unter den Hauptnutznießern der Schranken, die den einheimischen Unternehmen auferlegt wurden.
Ein Indikator hierfür ist der Profit, den sie auf dem Hintergrund von Chinas phänomenalen Wachstum einfahren konnten. 1992 betrug das Einkommen, dass ausländischen Investoren mit Anteilen an chinesischen Firmen zufloss nur 5,3 Milliarden Dollar, heute sind es mehr als 22 Milliarden Dollar.
Der Mogul als Held
Für das postkoloniale Indien war es undenkbar, dass ausländische Investoren große Gewinne auf Kosten der einheimischen Unternehmen einfahren. Erinnern muß man an die Kontroverse, die vor einem Jahrzehnt ausbrach, als die ENRON CORP. einen Deal mit dem Bundesstaat abschloß, demzufolge die Firma ein 2,9 Milliarden teueres Kraftwerk liefern sollte; das Projekt kam zustande, aber erst nach einigen Jahren hitziger Debatte über Ausländische Direktinvestitionen und die Rolle, die sie bei der Entwicklung Indiens spielen sollen.
Während China Hindernisse für seine Unternehmer geschaffen hat, erleichterte Indien den einheimischen Unternehmern das Leben. Im Laufe des letzten Jahrzehnts nahm Indien davon Abstand, die Wirtschaft bis hin zur Mikroebene managen zu wollen.
Zwar kommt die Privatisierung immer noch im Schneckentempo voran, aber die Regierung hat ihr Monopol über das Fernmeldewesen teilweise aufgegeben ( bei Ferngesprächen zumindest), der Bürokratie wurde ein bißchen zu Leibe gerückt und manche Industriezweige wurden für Privatinvestitionen geöffnet, auch für solche aus dem Ausland.
Als Konsequenz boomen Unternehmer und freies Unternehmertum. Als Beweis für den Fortschritt dient eine Untersuchung, die vor nicht allzu langer Zeit die Far Eastern Economic Review (FEER) durchführte, worin Indien besser als alle anderen Länder der Region abschnitt, China eingeschlossen.( Die Untersuchung befragte 2500 Führende Manager, diese sollten Unternehmen der Region auf einer Skala von eins bis sieben nach ihrem Erfolg bewerten ).In der Tat schafften es nur zwei chinesische Unternehmen genügend Punkte zu sammeln, die dafür gereicht hätten, unter Indiens führende zehn Unternehmen aufgenommen zu werden. Bezeichnenderweise waren alle indischen Firmen Privatunternehmen, während fast alle chinesischen Unternehmen mehr oder weniger hohe Staatsbeteiligungen aufwiesen.
Manche der führenden indischen Firmen sind wirkliche ´Start-ups´, z.B. Infosys, die den ersten Rang dieser Untersuchung einnahmen. Andere sind Ableger althergebrachter Firmen. Sundaram Motors beispielsweise, ein führender Hersteller von Automobilteilen und erstrangiger Zulieferer von General Motors, ist teil T.V. Sundaram Group, einer Jahrhunderte alten südindischen Firmengruppe.
Nicht nur dass das Unternehmertum in Indien floriert, Unternehmer werden auch zu Volkshelden. Nehru wäre sicher entrüstet über die Schmeicheleien, mit denen die indische Öffentlichkeit die Industriekapitäne überhäuft. Narayana Murthy beispielsweise, der 56 jährige Gründer von Infosys wurde oft mit Bill Gates verglichen und wurde zu einer bewunderten Persönlichkeit.
Diese Erfolgsstories wären unmöglich,hätte Indien nicht die nötige Infrastruktur um Murthy und andere Mogule zu unterstützen.
Demokratie, ein ordentliches Rechtssystem und eine unternehmerische Tradition waren die notwendigen Voraussetzungen, um freies Unternehmertum entstehen zu lassen. Obwohl Indiens Gerichte notorisch ineffektiv arbeiten, stellen sie doch eine funktionierende unabhängige Gewalt dar. Das Recht am Eigentum ist zwar nicht absolut sicher, aber der Schutz des Privateigentums ist doch viel stärker ausgeprägt als in China. Die ´Rule of Law´, das Erbe der Briten, ist doch generell vorherrschend.
Diese Traditionen und Institutionen erwiesen sich als hervorragendes Sprungbrett für das Entstehen und Gedeihen indischer Kapitalmärkte. Verwerfungen sind noch weit verbreitet, aber der Aktien und Anleihemarkt erlaubt es Firmen mit guten Zukunftsaussichten und gutem Ruf, sich das Kapital zu verschaffen, das sie brauchen.
In einer Studie der Weltbank vom letzten Jahr beklagten nur 52 % der befragten indischen Firmen, dass sie Probleme mit der Kapitalbeschaffung hätten.
Bei den befragten chinesischen Firmen waren es 80 %.
Als Konsequenz hängen die indischen Firmen viel weniger von selbst aufzubringendem Kapital ab. Nur 27 % ihrer Kapitalbeschaffung wird durch Gewinne aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet, gegenüber 57 bei den chinesischen Firmen.
Die Corporate Governance verbesserte sich dramatisch, was vor allem Murthy zu verdanken ist, der Infosys zu einem Muster an ehrlicher Buchführung und so zum Beispiel für andere Firmen machte. In einer Umfrage aus dem Jahr 2000 durch die Credit Lyonnais Securities Asia über 25 Emerging Markets nahm Indien bei Corporate Governance den 6sechsten Rang ein, China den 19. Rang. Das Entstehen einer Investorenklasse verbunden mit der Tatsache, dass die Kapitalgeber, z.B. Entwicklungsbanken, selbst in verstärktem Maße den Marktkräften unterliegen, kräftigte nur noch die Effizienz und Glaubwürdigkeit der indischen Märkte.
In China hingegen bleiben die Bürokraten die Torwächter, sie kontrollieren die Kapitalzuteilung behindern ernsthaft die Fähigkeit der Privatfirmen, an den Börsen gelistet zu werden. In Wirklichkeit benutzte Peking die Kapitalmärkte nur, um die VEBs am Leben zu erhalten. Diese Politik führte zu enormen Verwerfungen, während sie die chinesischen Märkte davor abhielten, an Tiefe und Reife zu gewinnen.( Man sagt weithin, dass die chinesischen Börsen eine Kapitalisierung von 400 Milliarden Dollar zu haben, aber wenn man die nicht-handelbaren Aktien, die die Regierung oder Regierungsinstitutionen haben, dann reduziert sich dieser Anteil auf 150 Milliarden.) Das Problem verschärfen schlechte Corporate Governance und das Fehlen einer unabhängigen Justiz.
Dollars und Diasporas
Wenn also Indien China so klar überholt haben sollte, warum wird dann diese Überlegenheit nicht aus den Statistiken deutlich? Warum ist der Unterschied im BSP und in anderen Schlüsselzahlen immer noch so groß? Es ist wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass Indien erst Anfang des letzten Jahrzehnts mit Reformen begann, mehr als ein Jahrzehnt später als China. Erschwerend kommt hinzu, dass Indien sich mit einer um die Hälfte niedrigeren Sparrate herumplagen muß als China, und das die FDI 90 % niedriger sind als im Falle Chinas. Außerdem ist Indien eine quirlige, manchmal chaotische Demokratie, die von religiösen und ethnischen Spannungen gezeichnet ist, und schleppt den langen Disput mit Pakistan wegen Kaschmir mit sich herum. China hingegen erfreute sich, abgesehen von dem Tiananmen-Massaker, einer Ära der Ruhe und Stabilität. So konnte es sich auf die wirtschaftliche Entwicklung konzentrieren.
Unter diesen Umständen ist es eine bemerkenswerte Errungenschaft, dass Indiens Wachstumsrate nur um 20 % niedriger liegt als die Chinas. Und ob die chinesischen Daten richtig sind, ist eine offene Frage.
( Anm. der Red.: Was von chinesischen Statistiken zu halten ist, haben wir bekanntlich in mehreren Artikeln deutlich gemacht, allerdings standen diesen Wissenschaftlern nur diese amtlichen Statistiken zur Verfügung.)
Die Geschwindigkeit, mit der Indien aufholt, läßt sich auf dessen effektive Kapitalallokation an die Betriebe und Chinas Ineffizienz in diesem Bereich, insbesondere bei der Verschleuderung von Kapital bei den VEBs, zurückführen. Und Chinas falsche Allokation von Kapital wird in den nächsten Jahren noch ein schwerer Mühlstein für die chinesische Wirtschaft werden.
Anfang der 90er Jahre, als China zweistellige Wachstumsraten verzeichnete, investierte die Regierung massiv in den Staatssektor. Die meisten der Investitionen waren wirtschaftlich nutzlos und hinterließen einen Bankensektor, der von über 50 % faulen Krediten erdrückt wird. Irgendwann müssen die Kapitalisierungskosten dieser Darlehen absorbiert werden, entweder durch Abschreibungen ( das heißt die Anleger zahlen die Zeche) oder durch das zur Verfügung gestellte Kapital seitens der Regierung, was Geld von anderen produktiveren Investitionen abhält. Dies könnte wirklich Chinas zukünftige Wirtschaftswachstumsrate schmälern.
Mögen auch Indiens Banken keine Muster an finanzieller Rechtschaffenheit sein, so haben sie jedoch keine Fehler solchen Ausmaßes fertig gebracht. Einer Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young zufolge beliefen sich die faulen Kredite Indiens 2001 auf 15 %. Indiens Wirtschaft ist somit fester verankert und auf soliderem Grund gebaut.
Die entscheidende Frage ist nicht die, wo Chinas Wirtschaft heute steht, sondern wo sie morgen steht.
Diese Frage wird in großem Umfang durch die Frage entschieden, wie beide Länder ihre Ressourcen nutzen können. Hier liefert Indien die bessere Arbeit ab. Verfolgt es einen besseren Weg zu Wachstum als China. Wir werden die Antwort erst in einiger Zeit wissen. Einiges spricht jedoch dafür, dass Indien mit seiner Strategie der Entwicklung aus dem Kleinen und vor Ort den klügeren Ansatz gewählt hat, und der Beweis hierfür kommt , Ironie des Schicksals, aus China selbst.
Man muß die Strategien von Jiangsu und Zhejiang betrachten, zwei Küstenprovinzen, die von einem vergleichbaren Niveau aus starteten, als Chinas Reformen begannen. Jiangsu verließ sich bei der Entwicklung hauptsächlich auf FDI, um sein Wachstum voranzutreiben. Zhejiang hingegen legte mehr Wert auf einheimische Unternehmer und organischeres Wachstum. Während der letzten beiden Jahrzehnte wuchs Zhejiangs Wirtschaft jährlich um einen Prozent mehr als die Jiangsus. Vor zwanzig Jahren war Jiangsu die reichere Provinz, jetzt ist Zhejiang ohne Zweifel wohlhabender.
Indien kann in der Zukunft das beste von beidem bekommen: es scheint mehr FDI zu ergattern als in der Vergangenheit. Nachdem es sich zwei Jahrzehnte die eigene Diaspora vom Leibe gehalten hat, empfängt es diese jetzt mit offenen Armen. In manchen Kreisen gibt es einen Witz, dass NRI, die Abkürzung für "non required Indian" (unerwünschter Inder) war. Jetzt hat es seine ursprüngliche Bedeutung wieder bekommen, nämlich "non resident Indian". Diese Änderung der Haltung bekam offizielle Unterstützung durch eine anfangs des Jahres abgehaltene Konferenz über die indische Diaspora, an der eine Reihe von prominenten NRIs teilnahmen.
Chinas Erfolg beim Herbeiziehen des FDI war teilweise ein Arbeitsunfall der Geschichte - es besitzt eine wohlhabende Diaspora.
Während der neunziger kam mehr als die Hälfte des FDI aus überseechinesischen Quellen. Dieses Geld schien einen unerwünschten Nebeneffekt zu haben: Die Milliarden Dollar aus Hongkong, Macao und Taiwan halfen China unbeabsichtigt dabei, politisch schwierige innere Reformen zu verschieben. Da zum Beispiel ausländische Investoren Anteile an verlustreichen VEBs erwarben, konnte die Regierung die Privatisierung hinauszögern.
Bisher kam die indische Diaspora nur für 10 % der FDI auf, die nach Indien flossen. Nun, da der rote Teppich jetzt ausgelegt wurde, wird sicher dieser Anteil höher werden. Und obwohl die indische Diaspora mit der chinesischen nicht gleichziehen kann, was harte Dollars angeht, so kann sie aber sicher mehr substantiell wichtigeres intellektuelles Kapital beisteuern, was sich sogar als wertvoller erweisen könnte.
Die indische Diaspora zeichnete sich nirgends so sehr aus als wie in Industriezweigen, die auf Wissen basieren, was man in Silicon Valley gut beobachten kann.
Jetzt haben die guten Zukunftsaussichten ebenso wie die geänderte Haltung gegenüber den ausgewanderten Indern viele dieser Ingenieure und Wissenschaftler dazu gebracht, nach Hause zu kommen, ebenso öffnen viele indische Geschäftsleute, die im Ausland leben, ihre Geldbeutel.
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